Freitag, 30. November 2012

Be aware(d)!

Hallo ihr Lieben!

Mir schwebt das heutige Thema schon etwas länger vor, aber ich war stets ein wenig unsicher, wie ich das formulieren sollte ohne auf den Sack zu bekommen dafür :D Aber ich denke, ich packe das Thema einfach an den Eiern, denn sich und andere in Watte packen wird ja eh viel zu häufig praktiziert.

Alljährlich im Monat Oktober wird meine Blog-Mailbox überhäuft mit Pressemitteilungen der Firmen (und damit meine ich: alle Firmen, die dieses "Weiblichkeit zelebrieren" Ding machen) bezüglich Produktlaunches, Kampagnen, Werbung, Aktionen zum Thema "Breast Cancer Awareness". De facto wird es immer Englisch ausgeschrieben - weil sich "Brustkrebs Bewusstsein" marketingtechnisch nicht so gut anhört, oder was ist der eigentliche Grund?

Im Dezember ist es das gleiche Spiel - erst kommt der Welt AIDS Tag vor dem ich auch alljährlich in einer Newsletterflut schwimme, dann wird ja aber das generelle Spendenbewusstsein den Rest des Monats über dermaßen gemolken, wie die fetteste aller fetten Milchkühe (hallo RTL Spendenmarathon, hallo Postbote der mir mit Unicef/Ärzte ohne Grenzen/WWF Spendenaufrufen den Briefkasten zuspamt).

Vorab - ich sehe das ein wenig kritisch, bin aber fast der Meinung, dass bei Spendenangelegenheiten der Zweck fast immer die Mittel heilt, auch wenn ich zuweilen ein bisschen Kopfweh dabei habe, da man oft weder sieht noch weiß was der Zweck eigentlich ist. Pragmatisch darüber nachgedacht nutzen Konzerne solche Themen, um mehr Umsatz zu generieren. Meines Wissens nach gibt es keine Firma, die zu 100% ihre Gewinne durch solchartige Produkte an wohltätige Zwecke spendet - es ist immer eine Gewinnmarge dabei, und Produktion, Werbung, Marketing, Vertrieb und all' die anderen BWL Größen kosten schließlich Geld, das dürfte auch dem größten Wattebauscheingepackten nicht entgangen sein. BWLer haben übrigens auch nicht BWL studiert, um der Welt zu helfen, nur so btw, sondern weil es kapitalistische Schweine sind. ;) Abgesehen davon ist die Transparenz bei vielen nicht gegeben, vorausgesetzt es würde überhaupt einen Großteil der Konsumenten interessieren.




Mit ein wenig Abstand betrachtet ist es ja irgendwie ein ganzer Zirkus bei dem man nicht weiß, in welche Richtungen die Kausalitäten laufen - sind die Kosmetikmarken so geil darauf rosa Lipglosse mit Bimmelbaumelanhänger zu launchen, mit der wahren Intention helfen zu wollen, oder tun sie genau das, um gut darzustehen und von sich behaupten zu können, dass man sich "engagiert"? Natürlich nutzen große Trademarks dabei die Kutsche anzuziehen - aber sind wir ehrlich Mädels: Wenn man am Counter steht, denkt man dann "Ach schön, nun bin ich vollends breast cancer awared." oder denkt man sich eher "Ach ne wat schön, die tolle limitierte Farbe meines Lippenstiftes, welche extra für einen wohltätigen Zweck kreiiert wurde (das kreischt so schrill nach wahnsinnig effizientem aber plattem Marketing), ist so hübsch... und ähh ja, also ist ja vollkommen egal, dass ich diesen Monat bereits 100€ für Lippenstifte ausgegeben habe. ABER DAS IST JA FÜR EINEN GUTEN ZWECK." -- ich tippe ja stark darauf (ich will jetzt nicht klugscheißerisch sagen ich weiß, dass es so ist), dass die Profis genau wissen, wie wir Frauen ticken, wenn wir konsumieren. ;)

Momentan gibt es auch eine große Aktion einer geschlossenen Gemeinschaft von YouTubern, welche in diesem Monat auf der Videoplattform versucht Spenden in Höhe von 10,000€ zu sammeln, um sie einem wohltätigen Verein spenden zu können. Auch auf die wiederholte Gefahr mir eine einzuholen - mir ist mulmig dabei im Bauch (das liegt u.a. auch daran, dass ich konstant hungrig bin, aber das konnte ich erfolgreich ausklammern und er grummelte trotzdem ;D) und Kommentare à la "Oh, so eine grßartige Aktion von euch gutherzigen YouTube-Menschen" werdet ihr garantiert nicht hören von mir.

Auf keinen Fall möchte ich mit dem dicken Moralapostelfinger durch die Gegend laufen und jeden mithilfe einer fetten Moralkeule brutal eines Besseren belehren und meine Meinung auf die Nase binden (letzteres habe ich eigentlich just gemacht, aber my blog, my playground... oder so :D). Desweiteren möchte ich auch nicht von "Hilfe zur Selbsthilfe" anfangen, oder großartig über die Nachhaltigkeit und Effizienz solcher Hilfsaktionen referieren. Ich bin kein rigoroser Gegner von Geldspenden, de facto spende ich ab und an auch bei Naturkatastrophen oder für Krisenregionen - meistens aber aus Hilfslosigkeit und Wut, und nicht aus dem Grund, dass ich danach den Rest des Jahres 364 Tage durch das Leben laufen kann in der absoluten Überzeugung, dass ich der beste Gutmensch der Welt bin, weil ich einmal im Jahr 3 Mark füffzisch spende. Jawollo!

Fernab der Breast Cancer Awareness und AIDS Aktionen - Die Welt ist nicht per se ungerecht, die Welt ist doch das, was wir Menschen aus ihnen machen und gemacht haben. Welthunger ist kein Zufall, sondern könnte von den jährlichen Abfällen von Wal-Mart behoben werden. Politisch-wirtschaftliche Insignifikanz bestimmter Nationen wird von Lobbyisten auf allen Ebenen getragen, Kriege werden von Menschen geführt die ihren persönlichen Interessen nachgehen... Kinder ackern in Fabriken, weil wir total auf Primark Shirts für 5€ stehen. Ein bisschen weniger Gefühlduselei, ein bisschen mehr Abstand, Selbstreflektion und Grips würde ich mir manchmal von einigen wünschen.

War das jetzt doch die Moralkeule?? But my intentions were good.

Was so der springende Punkt meiner Gedankenausführungen ist, weiß ich eigentlich auch nicht. :D Man muss ja nicht immer eine Moral von der Geschicht haben - eben gerade weil ich ja sehr eigentlich die Keule nicht schwingen wollte, wa :D

Was haltet ihr von solchen "Social Charity"-Aktionen Habt ihr schon mal Produkte aus "Breast Cancer Awareness" oder "World AIDS Day" Aktionen gekauft? Meine MAC Cindy damals, und das gebe ich gerne zu, habe ich 100%ig gekauft, weil sie mir gefallen hat, mehr nicht. Seht ihr das eher pragmatisch, kritisch oder ist euch der ganze Mist einfach egal? Inwiefern das der Krebsforschung dienen soll, wenn ich mir so 'nen ollen Schubby Schtick kaufe, ist mir irgendwie nicht so ganz klar..

Ist es besser auf diesem Wege zu "helfen", als gar nicht zu helfen? Inwiefern kann man denn helfen indem man konsumiert? Wieso nicht die ganze Summe spenden, statt 10% des Produtkes? Mich würden eure Gedanken und Meinungen zu dem ganzen Komplex so kurz vor der "besinnlichen Zeit" brennend interessieren.

Schmuuuus, eure Keule Jettie.

46 Kommentare

30. November 2012 um 12:04

Ich habe mir auch schon einen Nagellack aus einer rosa Awareness-Kollektion gekauft. Weil er mir gefallen hat, nicht wegen dem "guten Zweck". Der Gedanke "Ich kaufe ja nicht wirklich etwas, ich spende und kriege dafür etwas geschenkt" als Verteidigung der Geldausgabe kann ich sehr gut nachvollziehen. Es ist aber mE eher eine Beruhigung des eigenen schlechten Gewissens als eine wirkliche "Gute Tat".

Ich spende (wenn schon) lieber direkt, aber auch das nicht sonderlich häufig, da es mich stört, dass ein Grossteil der Spende in der Administration der Organisation endet, und nicht dort, wo sie wirklich gebraucht wird.

30. November 2012 um 12:08

Von mir aus kann jede das mit den Charity Produkten halten, wie sie es möchte, ABER:
Die gehen für Dich nicht zur Vorsorge, die tasten nicht für Dich die Brust ab, die hören für Dich nicht mit dem Rauchen auf, die denken für Dich nicht an Kondome.

All das musst Du allein tun, und da fängt es an. Egal, ob Du da ne pinke oder ne rote oder andersfarbige Schleife dran hängst.

30. November 2012 um 12:10

Ich sehe das absolut wie du. Große Firmen wie z.B.: der WWF jagen mir Schauer über den Rücken, denn da habe ich manchmal das Gefühl, dass die das ganze Geld für sich behalten.
Bei uns in der Innenstadt laufen öfter solche Typen rum, die als eine Mischung aus Mafia und Staubsaugervertreter auf dich zu kommen und dir ein schlechtes Gewissen einreden - selbst spenden sie natürlich auch -, aber wenn man über die Mittel, die genauen Methoden mehr erfahren möchte, wie mein Geld denn genutzt wird, herrscht schweigen im Walde oder wilde Phrasendrescherei.
Gelegentlich mache ich mir mittlerweile sogar einen Spaß daraus solche Menschen bloß zu stellen indem ich mir ein bereits geformten Grüppchen suche (am liebsten mit eine Oma, die gerade dabei ist 3stellige Summen zu spenden) und versuche die Werber dazu zu bringen Tacheles zu reden.

Kurzum, mich regt dieses Spendeneingetreibe auf. Ich hasse es und möchte das auch nicht unterstützen. Da kaufe ich lieber für 10€ im Monat Tiernahrung und gebe das direkt ins Tierheim oder suche mir eben direkt Organisationen vor Ort aus, wo ich dann eben weiß, dass für 80€ auch 80€ Spielzeug an bedürftige oder kranke Kinder gehen.

Oder wenn man unbedingt auf internationalem Boden etwas tun möchte, sollte man sich wirklich an die kleineren Projekte wenden. Da gibt es wirklich tolle Sachen, die Menschen ohne viele Mittel auf die Beine gestellt haben und bei denen mein inneres Alarmsignal nicht so abgeht wie auf RTL, Pro7 und Konsorten (Hero Rats wäre so ein Beispiel).

Bei Produkten ist es wohl eher "convenient", wie du schon sagtest. Man hat selbst das Gefühl etwas Gutes getan zu haben und gleichzeitig einen Kauf zu rechtfertigen.
Besser geht´s marketingtechnisch einfach nicht. ^^
und gut fürs Image ist es auch. So zu sagen eine Win-Win Sitjuäischn.


liebe Grüße~

30. November 2012 um 12:20

Der Begriff PINKWASHING fiel zum Zeitraum mehrfach. Mir geht es da wie dir und bei mir hat es stets das Gegenteil verursacht. Ich hatte Interesse an einigen "pinken" Produkten, habe mich aber gerade deswegen dagegen entschieden, um es nicht zu unterstützen.

Andererseits kann ich total nachvollziehen, dass man sich als Konsument noch ein "Goodie" oben drauf auf den eh schon unvernünftigen Konsum draufsetzen mag - eine kleine Entschuldigung mehr. Ich denke aber, dass weder, die so etwas sagen noch die es zu hören bekommen, nehmen es all zu ernst mit dem "guten Zweck". Ich habe zumindest bisher niemanden erlebt, der es recht selbstironisch gesehen hat.

30. November 2012 um 12:22

Den Absatz bezüglich der Selbstreflexion finde ich am Wichtigsten. Was nutzen mir alle Spendenmaratons der Welt wenn es danach fröhlich weitergeht mit teppichknüpfenden Kindern und tierversuchslastiger Kosmetik. Lieber einmal mehr nachdenken als große Trommeln rühren.
Bewusstsein schärfen ja, aber es muss weiter gehen als nur das.

30. November 2012 um 12:26

Ich habe vor ein paar Tagen festgestellt, dass es dem Brustkrebs deutlich zu gut geht und ich einen Teufel tun werde auch nur einen einzigen Rosa Lack zu kaufen.
Warum? P0rn Hube hat nach einer "Save The Boobies" Kampagne 250.000$ an eine große Brustkrebsstiftung gespendet.
Diese ist sich jedoch bis heute zu fein dazu, das Geld anzunehmen.

So bitter es ist, Krankheit ist ein Geschäft und gerade Krebs und Aids sind ein Milliardengeschäft, wo wahnsinnig viel Geld in die Forschung gesteckt wird.
Wer was gutes tun will, sollte einer sozialen Einrichtung in der Nähe was spenden (denn die bekommen oft nur die Krümel ab) oder für eine Krankheit, die zu selten ist oder deren Opfer zu jung sterben, und somit nur wenig Forschung betrieben wird, weil es zu wenig Profit einbringen würde.
Mucoviszidose ist so ein typischer Fall.

30. November 2012 um 12:34

Ich finde es gut, dass Du das Thema, das ja grad in den Tagen vor Weihnachten immer sehr angesetzt wird aufgreifst...
Vor ca. einem Jahr gab es dieses Schokoladenspendeding- wovon ich mich mit einem Post auf meinem Blog distanziert habe, einfach weil ich dabei kein gutes Gefühl hatte!

Ich habe auch schon bei Naturkatastrophen gespendet, aber für mich fühlt es sich viel besser an, ab und zu der Tafel in unserer Stadt eine Spende zukommen zu lassen... da weiss ich wo es bleibt und dass es wirklich benötigt wird.
Wenn ich mir einen Lippenstift hole, dann weil ich die Farbe mag und nicht weil irgendwas für Brustkrebsspenden dahintersteht- vielleicht falle ich damit nicht ins angepeilte Schema!?

Ina
30. November 2012 um 12:44

So ein Post zeigt mir mal wieder, warum ich diesen Blog so gerne lese.
Mir geht es ähnlich wie Dir. Irgendwie nervt mich der ganze Kram auch.
Speziell der "pinke" Monat ging mir auf den Zeiger. Die ganzen Pressemitteilung, in denen Firmen bei dem Kauf einer 200 Euro Creme 5 Euro spenden, etc. Wenn sich die Firmen schon alle "awareness" auf die pinken Lipglosse schreiben, dann macht doch auch mal "aware". Legt doch jedem Produkt einen Beipackzettel bei, auf dem beschrieben ist, wie man seine Brust richtig abtastet. In welcher Alterklasse man wie vorsorgen sollte. Aber iiihh, dass will ja keiner bei seinen schönen rosa Sachen sehen.
Grundsätzlich finde ich es gut, wenn sich jemand engagiert. Und finde auch, dass man das tun kann ohne alle seine Lebensbereiche 100%ig korrekt ausgerichtet zu haben.
Dennoch gibt es gute Organisationen, mit nachhaltigen Konzepten, oder eben solche die einfach Geld irgendwo reinpumpen. Wenn z.B. ein Verein zum Schutz des Regenwaldes dort neue Arbeitsplätze schafft, damit die Menschen, Familien die vorher von der Abholzung überlebt, eine andere Möglichkeit haben, ihr Überleben zu sichern.
Auch ich habe da kein richtiges Fazit, ausser das ich es bei allem was mit Wohltätigkeit zu tun habe gerne hätte, dass es mit ein bisschen gesunden Menschenverstand betrieben wird. Das mal ein bisschen hinterfragt wird, ein bisschen logisch mit gedacht wird, und nicht nur auf die Tränendrüse gedrückt wird. (Aber das hätte ich auch gerne für alle anderen Lebensbereiche...)

30. November 2012 um 13:44

Erstmal Respekt vor deinem Mut sowas öffentlich anzusprechen, das würden sich die wenigsten trauen! Noch dazu gebe ich dir vollkommen Recht, du hast das ganze Mal richtig auf den Punkt gebracht.
Keiner der größeren Organisationen beweist, dass das Geld auch wirklich irgendwo hin fließt wo es benötigt wird. Ich finde, wie du schon sagst, alleine Wal-Mart oder sonst große Einkaufsläden des täglichen Bedarfes könnten den Hunger größtenteils in Afrika stillen mit den Produkten den wir reichen, (sorry für die Wortwahl :D) manchmal konsumgeilen Menschen produzieren. "Ihh der Yoguhrt läuft in 2 Tagen ab den esse ich nicht mehr", wenn ich sowas höre könnt ich schreien. Naja ich will ja jetzt hier nicht die Kommentarleiste vollmeckern, (könnt ja noch mit den Altkleidercontainer-Dieben) weitermachen aber naja :D
Fazit: Ich interessiere mich nicht für solche Aktionen und kaufe auch seltenst die Produkte daraus (wenn dann nur weil mir die Farbe gefällt). Charity-Aktionen schließe ich mich nur an, wenn ich weiß wo das Geld auch wirklich landet und da haben wir hier im Städtchen einige schöne Aktionen (auch das ganze Jahr über ;)).
LG

30. November 2012 um 13:54

Vielen Dank für deinen interessanten Artikel, ich bin da ganz deiner Meinung.
Seit einiger Zeit beginne auch ich mein Konsumverhalten generell kritisch zu hinterfragen und überhaupt sollte man diese ganze Konsumiererei nicht immer so hinnehmen, wie sie einen von den großen Firmen vor die Füße geworfen wird. Ich will nicht sagen, dass ich es besser mache aber immerhin denke ich schonmal drüber nach ;P.
Bei solchen Spendenaktionen (RTL lässt grüßen*würg*) denke ich mir dann aber auch immer, dass der Erlös das Ganze, so unerträglich es auch sein mag, wieder ausgleicht und rechtfertigt.
Ich bin also auch eher zwiegespalten.

Schön wäre es, wenn bei solchen Limited-Editions-Aktionen von Kosmetikmarken der überwiegenden Teil des Erlöses gespendet werden würde und nicht nur zu wenigen Prozent. Eigentlich kann man ja auch direkt sein Geld spenden und lässt den ollen Nagellack einfach mal im Regal stehen...

30. November 2012 um 14:42

Ich hab ja schon gebrochen, als von jeder dämlichen Marke (zumindest gefühlt) irgendein BCA-Nagellack rauskam.
EIN NAGELLACK!
Man beachte die Ironie... oder denken hier einige, die Lösungsmittel, die sie sich auf die Nägel schmieren, sind gesund?
In diesem Sinne: ich kanns nicht mehr hören - und das Thema ist sowieso vergessen, sobald Nagellack/Lippenstift/etc. in die Schublade gewandert ist. Währenddessen überlegen sich Firmen und andere dann schon mal für's nächste Jahr, wie die Kuh am besten gemolken werden kann.

sophie
30. November 2012 um 14:44

danke für diesen artikel. ich hatte ähnliche gedanken, als ich von dieser youtuber-charity-sache gehört habe. prinzipiell finde ich es super zu helfen. aber man sollte das auch sehr bewusst tun, viel hinterfragen (was sein eigenes allgemeines verhalten, aber auch die organisationen angeht) und das auch nicht nur machen, um sich selbst besser zu fühlen und sich in einem bestimmten licht zu präsentieren. oft hab ich einfach einen schlechten beigeschmack bei solchen wohltätigkeitssachen.

30. November 2012 um 15:24

ich kann deinen Artikel nur unterstützen! Ich bin momentan leider noch nicht in der Lage, als dass ich viel Geld spenden könnte. Dafür achte ich dann eben darauf bewusst zu konsumieren und eben auch beim Klamottenkauf auf Nachhaltigkeit zu achten. Und wenn mich eben etwas bewegt und ich spontan denke "hey, das musst du unterstützen", dann gebe ich auch gerne mal ein paar Euros. Egal ob nun für einen tollen Straßenmusiker, einer örtlichen Hilfsorganisation für Obdachlose oder eben als Sachspende in Form von ein paar Futterdosen für den Tierschutzverein, der direkt neben dem Stall ist, wo mein Pferd (auch so ein Tier, was ich bzw damals meine Mama aufgenommen habe/hat, damit es nicht in schlechten Händen landet)steht. Da kann man auch eben viel mit Sachspenden, die nicht veruntreut werden können wie Geld, oder einfach mit etwas Muskelkraft bewirken.
Insgesamt bin ich auch immer skeptisch bei den großen Aktionen und Organisationen.

30. November 2012 um 15:29

Da bin ich voll deiner Meinung! Bei diesen ganzen riesen Firmen weiß ich nie so genau wo das ganze gespendete Geld so hingeht und eins ist klar: es ist alles eine Marketingstrategie, denn heute sind ja Spenden für einen guten Zweck total in ( genauso wie BIO) also versuchen so viele Firmen wie möglich da mitzumachen um 1. dadurch noch bekannter zu werden 2. gut dazustehen, denn sie engagieren sich ja und 3. um natürlich Gewinn zu machen...Ich persönlich spende daher nur dann, wenn ich ganz genau nachvollziehen kann wo mein Geld hingeht :)

30. November 2012 um 15:41

Sehe es genauso. Zu Weihnachten fällt uns plötzlich wieder der Rest der Welt ein...

Ich spende aus Überzeugung für Dinge, die mir am Herzen liegen und nicht, weil es mal wieder so weit ist, das Gewissen zu bezahlen.

30. November 2012 um 15:53

Generell bin auch für das Helfen!Aber das mach ich auch die restlichen 11 Monate im Jahr und nicht nur im Dezember oder jetzt auch schon im Oktober.Ich lass mir auch kein schlechtes Gewissen einreden,wenn jemand fragt ob ich spende und ich nein sage.Wozu auch?Ich finde wir sollten nicht immer mit Geld helfen wollen sondern mit Taten.Hier in Deutschland,vor der eigenen Haustür.Obdachlosen,Kinder ohne Spielzeug,den Tierheimen da kommt die Hilfe direkt an.Und nicht bei einem Lipgloss mit einem Preis von 20 Euro von dem dann 20 Cent gespendet werden.Das ist doch Verarsche auf höchstem Niveau.Und solche Firmen wollen dann für ihr Engagement auch noch gelobt werden.Helft selbst direkt vor Ort und schmeißt euer Geld nicht in den Müll!

Anonym
30. November 2012 um 15:59

Liebe Jettie,

erst mal und ausnahmsweise Kritik an der Unstrukturiertheit Deines Textes - der geneigte Leser/ die ebensolche Leserin bemerkt deutlich, dass Dich dieses Thema aufzuwühlen scheint.

Ich gebe Dir absolut recht, besonders bei dem Teil mit dem unreflektierten Konsum und der nicht bedachten Folge, wenn man alles immer günstiger haben will bzw. sogar kaufen muss, da der Lohn inflationsbereinigt und spürbar in der Realität gesunken ist. Eine stetige Abwärtsspirale...

Ich habe ein paar Lieblingsprodukt beim ollen Üffes, der statt günstig produzierter Werbegeschenke anbietet, einen Baum zu pflanzen. Sollte mich dann mal ein Produkt in Originalgröße zum Testen oder doch eines der angebotenen Geschenke verlocken, dann habe ich fast schon ein schlechtes Gewissen - schließlich zeigt das Anklicken des Baumes auch: "ich will keine Billiggeschenke" - selbst wenn der Baum nicht gepflanzt wird und das ganze nur eine groß angelegte "Green-Washing-Aktion" ist.

So lasse ich mich gerne bei Ikea und ihren ausgezeichneten Designern inspirieren, um dann gebraucht zu kaufen oder eine Eigenkreation nachzubauen... das ist dann der Grips, der trotz HWV)* dann eingesetzt werden sollte.

Liebste Grüße!
prinzessin_paprika

)* HWV = Haben-Will-Virus

Anonym
30. November 2012 um 16:03

@Ina

Ina, ich stimme Dir zu - allerdings ist das einfach auch die Logik des Kapitalismuses - da geht es nun mal nicht um Nachhaltigkeit und gesunden Menschenverstand...

prinzessin_paprika - gerne mal mit roten Socken ;-)

30. November 2012 um 16:06

Aber... ich MAG die 5Euro Shirts von Primark ;_;
Und ich bin sogar so ein A-loch, dass ich immer Witze über kleine, fleißige Kinderhände mache, wenn wir in den Markt reingehen.

Um es brutal zu sagen: Da es mich nicht selber betrifft, ist es mir schlicht egal, woher die Shirts stammen. Hauptsache sie gefallen mir und sind billig.
Vielleicht würde ich mich schlecht fühlen, wenn ich ne Doku darüber sehen würde, wie schlecht es diesen Arbeiterkindern geht. Aber nur vielleicht und dann auch nur für kurze Zeit.
Es is genau wie bei den Naturkatastrophen. Ich schau die News, fühle mich für 1 oder 2 Tage betroffen und auch manchmal hilflos. Hin und wieder spende ich was. Nicht viel, aber ein wenig.
Und kaum läuft die neue Folge meiner US Lieblingsserie habe ich alles wieder vergessen.

Sorry, aber es is doch echt so: Solange es einen nicht betrifft, genau wie Krebs und Aids, kümmert es einen die meiste Zeit nicht.
Nicht jeder ist so, nein. Aber die meisten.

Kurzum: Dass Weihnachten besonders auf die Tränendrüsen gedrückt wird, um den Leuten auch noch das letzte Geld aus der Tasche zu ziehen, finde ich schlichtweg zum Kotzen. Als wenn es in den anderen 11 Monaten des Jahres kein Leid und Elend gäbe -_-,

30. November 2012 um 16:11

Ich habe mir (völliger Impulskauf) den Essielack gekauft. Pink halt.
Ansonsten bin ich aber völlig auf dem Kriegsfuß mit diesem Spendenwahn, insbesondere wenn dann noch mit hungrigen afrikanischen Kindern geworben wird, geht mir die Hutschnur hoch.
Habe dazu letztens auch etwas ausführlicher was zu geschrieben, möchte aber Deine Kommentare nicht mit nem Link zuspammen - wer suchet, der findet. Und so.

30. November 2012 um 16:29

Danke! Endlich mal ein kritischer Kommentar zu dem ganzen Schleifen-wahn. Besonders über die Rosa Schleife habe ich mich im Oktober so geärgert, denn alle rennen hin und kaufen sich rosa Lippenstift/Nagellack/whatever, während die Firmen sich nicht mal Gedanken machen, ob IHRE Produkte nicht dazu beitragen, dass Brustkrebsrisiko zu erhöhen.

Ich habe darüber im Oktober einen Artikel bei den Femgeeks geschrieben: http://femgeeks.de/scheinheiligkeit-in-rosa/
Würde mich freuen, wenn der ein oder andere sich dahingehend vielleicht mal näher informiert.

30. November 2012 um 16:32

Jettie ich stimme dir in allen Punkten zu dieser Thematik zu!
Jedes Jahr derselbe Hick-Hack und ich frage mich immer wieder: "warum nur dann?" Brustkrebs ist immer ein Thema! Niemand der darunter leidet, gelitten hat oder im Umkreis davon betroffen ist hat effizient etwas davon. Anstatt die Forschung gegen diesen verdammten Krebs permanent zu fördern, wird die "beruhigende Aktion einmal im Jahr" aufgeblasen. Um sich und alle daran zu erinnern mit rosa TüTüs? Ich habe mir Cyndi auch nur aus Gefallen gekauft, und ich flippe vor den Rosa Schleifchen Countern mit Sicherheit nicht aus. Wozu auch! Die Bereitschaft daran Anteil zu nehmen sollte unabhängig von Produkten gegeben sein. Wir spenden regelmässig an diverse Einrichtungen, wo ich weiß, dass der Erlös nur an die Betroffenen direkt geht, ohne Gewinnspannen für Hersteller. Warum sollte ich an einem RTL Marathon teilnehmen, nur weil ein Promi-Face dämlich in die Kamera grinst, natürlich ganz ohne Eigennutz, waahh! Und nein danke, SO nicht!

LG Petra

TheFashionvictim67
30. November 2012 um 17:17

Hallo Jettie!
Toller Post, ansich weiß ich auch nicht recht was ich von den ganzen spenden immer halten soll (O.K. es gibt auch tolle spendenaufrufe) wo man dann gerne hilft, bisher sind mir eigentlich 2 im gedächnis geblieben, bei denen ich sehr gerne mitgemacht habe.
1. Als mein Sohn die 4. Klasse beendete, wurde von der Schule dazu aufgefordert die Schulranzen zu spenden, und diese noch mit guten gebrauchten oder neuen Artikeln die für den Schulunterricht gebraucht würden (Buntstifte, Schulhefte, eine Hose, ein Shirt, Schuhe ect.) alles war genau vorgegeben mit Abhakliste (damit jedes Kind das gleiche erhält), dazu konnte man ein Video im Netz finden (Marys Meal glaube ich) in dem man sehen konnte wie Schulranzen an die Armen Kinder gegeben wurden, und ich saß morgens heulend vor dem lapptop!
2. Als von meiner Freundin der kleine Neffe an Leukemie erkrankte, und eine Typisierung von Knochenmark der DKMS gemacht wurde.
Da ich selber nicht Knochenmark spenden könnte, habe ich finanziell und mit meiner mithilfe (Kuchen gebacken und verkauft) geholfen.
Das gute ist es wurde ein spender gefunden, der schale beigeschmack was mit dem Geld wirklich passiert oder was davon ankommt bleibt irgendwie.

Ich kaufe aus prinziep nicht weil "ein so GROßER Teil des erlöses" gespendet wird. Finde das ist Augenwischerei, wenn der komplette Kaufpreis gespendet würde, dann eventuell ja!

LG Birgit

30. November 2012 um 19:39

Also für mich sind solche Aktionen eindeutig dazu da, sch selbst zu beweihräuchern und sich den Kauf des 671567sten rosafarbenen Lipglosses zu rechtfertigen. Punkt.
Ich brauche keine Brustkrebskampagnen um mir zu sagen, dass mir diese rosa Farbe gefällt, und ich das Ding nun kaufen werde. Aber offensichtlich brauchen genau das sehr viele Damen da draußen.

Firmen tun das meines Erachtens auch auch nur aus PR Gründen. Genügend Gewinn ist immer einkalkuliert und wenn wirklich mal alles an Hilfsorganisationen gehen sollte, dann wird dafür garantiert was anderes teurer.

Dieses Bewusstsein immer nur auf einen Tag im Kalenderjahr zu reduzieren finde ich völlig daneben. Der Brustkrebs (und auch jeder andere) nimmt sich ja auch nicht 364 Tage im Jahr frei und ist nur einen da. Wozu brauche ich also einen spezifischen Tag um daran zu denken?!

Und ja klar, es ist schön, wenn Hilfsorganisationen Geld bekommen um damit wirklich zu helfen. Aber ich sehe die Verteilung des Geldes - das, was an die Menschen geht und das was die Organisation/Mitarbeiter fressen - extrem ungünstig verteilt. Von dem Geld kommt am Ende viel zu wenig beim Betroffenen an, weswegen ich lieber zu meiner Freundin fliegen würde, ein paar tolle Tage mit ihr verbringen würde und sie damit von ihrem Krebs ablenken würde, als das Geld einer Organisation zu spenden (mein Fall mit meiner Freundin - das das nicht jeder so machen kann ist schön, denn das heißt vielleicht einfach, dass ihr niemanden mit einem Krebsleiden kennt ;))

Ich glaube wirkliches Engagement geht einfach anders als "nur" mit Geld spenden (ich spende trotzdem auch Geld für eine Organisation, die meines Erachtens nach wichtige Arbeit macht) - richtiges Engagement bedeutet auch WIRKLICHES Interesse an einer Sache und das denke ich ist in den seltensten Fällen gegeben - leider...

Etwas konfus, aber nach einer 55 Stunden Woche ist einfach kein klarer Stil mehr drin ^^°

Liebe Grüße
JuJu

30. November 2012 um 20:06

vorallem der letzte absatz: ja, ja, und nochmals ja. wir heulen ständig rum über das elend der welt, weinen vor entrüstung was den armen menschen in krisengebieten passiert - und verdrängen, dass wir das ALLES selbst machen. dem mensch "passiert" nicht einfach so schlimmes, wir machen das alles selbst. ausnahmslos ALLES. auch sämtliche naturkatastrophen sind nur antworten der natur, die wir 24/7 immer weiter und weiter zerstören. wir finden oberflächlich alles gar furchtbar schrecklich, aber um wirklich was zu ändern reichts dann halt doch nicht. das sind menschen, das sind wir.

zum spendenthema: ich habe noch nichts gekauft, weil ich dachte, kuhl, damit helf ich jetzt voll. nen viva glam hab ich auch, aber eben weil ich ihn hübsch find - ob das nu in die aids forschung gesteckt wird oder nicht. denn auch hier stimm ich dir wieder zu: wenn die firmen das komplette geld, was sie in die entwicklung, lancierung, herstellung, bewerbung der produkte stecken spenden würden, wäre evtl weit mehr geholfen.

davon abgesehen dass ich nich weiß, was "breast cancer awareness" überhaupt bewirken soll. wer nicht weiß, dass es etwas wie krebs gibt, dem is eh nich mehr zu helfen. was bringt da so ne komische rosa schleife? ich darf auch so abfällig reden, ich hab schon jemand an eben jenen brustkrebs verloren. und ich bezweifle stark, dass irgendwelche lipglosse da irgendwas dran hätten ändern können. meiner meinung nach ist dieses "ich kauf das jetzt weil das hilft voll und so" die beruhigung des schlechten gewissens für leute, die gerne die augen vor der realität verschließen.

auch diese stände, die man oft in städten findet, wo irgendwelche mini jobber dir irgendwas verkaufen wollen, bzw dich zum spenden bringen, und wenn man dann fragt worums geht, nur antworten können: ÄHHHHHHH ALSO DAS IS VOLL GUT UND WICHTIG! - ja is klar.ich handhabe das so, dass ich mich bemühe das zu tun, was ich tun kann, um dinge, die mir am herzen liegen, in der welt ein bisschen besser zu machen.

Callisto Norland
30. November 2012 um 20:20

Ich finde es toll, dass du so ein Thema auf den Tisch bringst. Ich will nicht nochmal darauf hinweisen, wie selbststüchtig solche Kampagnen sind (für Firmen & Käufer), dass haben die lieben Vorposterinnen schon getan sondern ich will noch auf einen anderen Punkt raus. Anstatt das Geld blind rauszuhauen und für irgendwo auf der Welt etwas zu spenden, kann man ruhig vor seiner eigenen Haustür kehren! Arme und hungernde Kinder gibt es nicht nur in Afrika, sondern auch hier. Aber niemand will sich ja im Wohlstandsdeutschland eingesetehen, dass es sowas gibt. Ich finde es persönlich besser regional Projekte zu unterstützen, weil man sehen kann wo das Geld hingeht. Aber es muss nicht immer Geld sein, dass man spendet, sondern auch Kleidung, Sachspenden (wohin mit den alten Handys?) oder einfach nur Zeit. Denn gemeinsame Zeit mit benachteiligten Kindern zu verbringen, ist manchmal wertvoller als ein Batzen Geld.

Liebe Grüße

30. November 2012 um 20:40

Klasse Beitrag! Denke auch das da wenig Altruismus und viel Kapitaldenken dahintersteckt. Wie du schon sagst: etwas mehr Selbstreflektion, auch im Alltag würde da guttun, ist auch wesentlich glaubwürdiger und effektiver. Nur das erfordert mehr Arbeit und viele sind zu bequem, dass sieht man momentan sehr gut an der extremen Zunahme von Pelzkrägen an den Jacken und Mänteln. Es ist einfacher nicht darüber nachzudenken unter welchen Bedingungen sie "gewonnen" werden, dabei wäre es einfach auf solche Dinge zu verzichten: wenn man schon aktiv nichts Gutes tut dann könnte man wenigstens Schlechtes vermeiden, vor allem wenn es so eindeutig ist...Diese Pseudo 'Tue Gutes' Kampagnen kommen also vielen sehr entgegen, eine Art Ablasshandel der Neuzeit sozusagen. Sehr schade.
LG, Veronika

30. November 2012 um 20:41

Klasse Beitrag! Denke auch das da wenig Altruismus und viel Kapitaldenken dahintersteckt. Wie du schon sagst: etwas mehr Selbstreflektion, auch im Alltag würde da guttun, ist auch wesentlich glaubwürdiger und effektiver. Nur das erfordert mehr Arbeit und viele sind zu bequem, dass sieht man momentan sehr gut an der extremen Zunahme von Pelzkrägen an den Jacken und Mänteln. Es ist einfacher nicht darüber nachzudenken unter welchen Bedingungen sie "gewonnen" werden, dabei wäre es einfach auf solche Dinge zu verzichten: wenn man schon aktiv nichts Gutes tut dann könnte man wenigstens Schlechtes vermeiden, vor allem wenn es so eindeutig ist...Diese Pseudo 'Tue Gutes' Kampagnen kommen also vielen sehr entgegen, eine Art Ablasshandel der Neuzeit sozusagen. Sehr schade.
LG, Veronika

Anonym
30. November 2012 um 22:13

Endlich mal jemand, der das alles (vor allem die letzten paar Sätze mit dem Primark Shirt) genauso sieht wie ich! Tut gut, so etwas zu lesen :)

30. November 2012 um 22:21

Das Ende des Schuljahres wird bei uns immer einer Art Benefizkonzert gefeiert. Das Schuljahr über veranstaltet jede Klasse mal etwas um Geld zu sammeln (Kuchenbasar etc). Das machen nicht nur alle Klassen, sondern auch alle Schule (Kleinstadt, sogar die Grundschule) und am Ende kommen schon schöne Summen raus. Die ersten Jahre (machen wir noch nicht so lange) wurde das Geld immer irgendwie nach Afrika gespendet, nicht mal die Schülersprecher konnten uns genau sagen wo das ankommt. Nun haben wir uns eine afrikanische Familie gekauft (so empfinde ich das), ich meine ein Korrespondent holt das Geld persönlich ab und die Schule bekommt auch regelmäßig Bilder etc geschickt, alles schön und gut. Nicht dass ich den Menschen in ärmeren Regionen nicht helfen will, aber warum fangen wir nicht erstmal mit deutschen Waisenheimen etc an? ó.ò
Ich steh "Wohltätigkeit" eher skeptisch gegenüber und mag dieses groß aufgezogen Wohltätigkeitsorganisationen nicht wirklich. Ich geb gerne, aber ich will mich auch vergewissern dass es bei den richtigen ankommt. Und dieses "ich bin wohltätig" Gefühl bekomme ich erst wenn ich sehe dass ich was bezweckt habe, das ist mir bei regionalen "Bedürftigen" (mir fällt kein besseres Wort ein x)) gegeben.
Wir sollten klein anfangen und nicht gleich die ganze Welt retten wollen, das schaffen wir eh nicht. Natürlich brauchen Krebskranke und Hungernde auf der ganzen Welt Unterstützung, aber das muss ernstgemeint sein und wirklich durchgezogen werden und nicht zum schönen Schein so tun. Wenn ich einen hübschen rosa OPI Brustkrebs Lack kaufe, dann weil mir die Farbe gefällt. Dass ich damit irgendeiner brustkrebserkrankten irgendwo in Amiland helfe sehe ich dahinter nicht] wirrer Monsterkommentar Ende ;D

Anonym
30. November 2012 um 23:08

Ich könnte dich abknutschen für diesen Artikel. Wat ist mir das auf die Nerven gegangen.... "Ah ich habe mir den Pinkie tschabbi schtick geholt, ich bin so toll für die BCA Stiftung tralala"

Danke

LG K79

1. Dezember 2012 um 00:25

Schöner Artikel! Ich finde solche Aktionen gut und unterstütze diese auch gerne, sofern ich mir sicher sein kann, dass das Geld auch dort ankommt, wo es gebraucht wird. Allerdings stehe ich mehr auf kleine Aktionen, bei der das Spenden zu 100% im Vordergrund steht.
Mein Friseur öffnet am 02.12.2012 seinen Laden - man kann sich dort die Haare schneiden lassen (Calligraphy Cut), zahlt die Hälfte des eigentlichen Preises und der Erlös geht zu 100% an die deutsche Aidshilfe! In meinen Augen eine großartige Aktion :)

Jess_
1. Dezember 2012 um 00:38

Ich habe beim Breast-Cancer-Chubby-Stick nicht wiederstehen können. Ja, wenn ich solche Produkte -gerade in der Masse- sehe, denke ich mir tatsächlich: wannn warst du eigentlich das letzte mal bei der Vorsorge? Und geht Mama eigentlich regelmäßig? Das Thema verdrängt man im Alltag ja eigentlich lieber - bis man dann bei Douglas konfrontiert wird!
Und ja, die Unternehmen machen das natürlich nicht nur weil sie so ein gutes Herz haben, sondern auch weil was dabei rausspringt. Das würden sie aber nicht tun, wenn sie es nicht absetzen könnten. So lange die Nachfrage also besteht, wird sich daran nichts ändern. Was in diesem Fall aber auch nicht verwerflich ist ;-)

1. Dezember 2012 um 09:59

Selbstreflexion ist der erste Weg zur Besserung. Wie du schon im letzten Abschnitt sagst, es fängt bei den Menschen an. (achja btw ich bin dieser kapitalistische BWLer und wir sind nicht alle gleich^^.. never mind, weiter im text^^)
das wichtigste ist, dass man doch bei uns selbst anfängt mit der sozialen einstellung. wenn sich da nichts ändert, ändert sich auch der rest nicht.
nichtsdestotrotz finde ich es nicht verkehrt, dass es große firmen gibt, die da pushen. ABER (und da möchte ich jetzt nicht alles gutheißen) man muss natürlich schauen, welche firmen das sind und was der zweck ist. es gibt "gute" und "böse". natürlich findet man keine großen, detaillierten informationen zu den projekten von firmen, wenn die im endeffekt gar nicht so sozial sind, wie sie alle angeben. aber die, die es wirklich aus dem helferischen aspekt tun, die sprechen nicht groß drüber. da muss sich der mensch selbst informieren, wenn ihn das interessieren würde. ich finde es prinzipiell nicht schlecht, denn der mensch ist von natur aus faul (ich möchte mich da gar nicht ausschließen) und wenn man durch solche aktionen, die menschen ein wenig wachrüttelt und durch eben diese sog. "convenience" zum spenden bringt, ist es per se nicht falsch. besser so, als würden sie gar nichts machen. aber wie gesagt, da muss sich dann auch jeder selbst informieren, was wirklich hinter der kampagne steckt. nicht alle sind schlecht, aber zu viele blasen aus marketinggründen ihre kampangen auf und im endeffekt ist nicht dahinter.

1. Dezember 2012 um 10:10

Ich finde dieses ganze Thema sehr sehr schwierig, da man nie weiß, was nun richtig oder was falsch ist. Will man spenden, landet vielleicht nur ein sehr geringer Teil wirklich am jeweiligen Ort. Will man seinen Konsum dementsprechend ändern, dass man öfter zu Fair Trade-Produkten greift, ist es auch nicht richtig, weil die "Billigarbeiter" auf das Geld angewiesen sind und wenn keiner mehr günstig kauft, diese dann ihren Job verlieren.
Mir ist das Thema zu komplex, um da noch durchzusteigen, leider. Ich denke aber, dass diese Geldspenden für die dritte Welt nur für den Moment einen Nutzen haben dh. nur einen geringen Anteil ausmachen können. Wichtiger wäre es, seinen Konsum zu überdenken. Aber ich als Studentin kann mir nunmal nicht nur Bio- oder Fair Trade-Lebensmittel usw. kaufen. Davon mal abgesehen denke ich, dass es beim Kapitalismus einfach nicht anders laufen kann, als dass Wohlstand nur zu erhalten ist, wenn andere darunter leiden müssen. Aber vielleicht ist mein Wissen dazu nur zu oberflächlich.. jedenfalls ist das meine Einschätzung :/

Anonym
1. Dezember 2012 um 18:20

@ConnüDa kann ich dir nur zustimmen. Ich würde niemals einfach so "ins Blaue" Spenden und Leuten, die in der Innenstadt auf mich zukommen, Geld geben. Never ever! In den fünf Minuten in denen die mich zusabbeln, kann ich doch garnicht entscheiden, ob das ganze ok ist. Lieber geh ich zu Rewe, kauf ne Palette Katzenfutter und bring die ins Tierheim. Noch schlimmer finde ich die Organisationen, die einem Post mit einem "Geschenk" schicken mit der Botschaft "vielen Dank im voraus für ihre Spende". Wie dreist kann man sein. Wenn die soviel Kohle übrig haben, um Dinge zu verschenken - ....

Lisa
1. Dezember 2012 um 20:02

Wow, Jettie... dafür, dass du einen Konsumblog betreibst, bist du ziemlich konsumkritisch. Finde ich gut... jetzt noch umsetzen und dann liebe ich dich! :D

Im Ernst, du sprichst da was wahres an. Besonders bezüglich der Klamotten. Ich finde es schrecklich, wie blind konsumiert wird, ohne jemals zu hinterfragen. Ich bin mit Sicherheit keine Konsumheilige, aber manche wollen sich einfach nicht damit auseinandersetzen. Denn wenn man einmal damit anfängt, zieht das einen unglaublichen Rattenschwanz mit sich.

1. Dezember 2012 um 22:30

danke für den Post - wir recht Du hast! ich halte auch nicht viel von den großen Spendenaktionen, sondern versuche lieber im Kleinen was zu tun: meine Katzen sind aus dem Tierheim und ich bin Mitglied im örtlichen Tierschutzverein, ich unterstütze die örtliche Aidshilfe, in dem ich z.B. beim Benefizlauf teilnehme - meine Teilnahmegebühr hilft und meine Teilnahme an sich macht den Verein bekannt und jetzt zu Weihnachte beschenke ich zusammen mit Kolleginnen und Kollegen Kindergärten in benachteiligten Stadtteilen.

und ich versuche, ein wenig auf meinen Konsum zu achten und eben nicht nur auf den Preis zu achten, sondern eher ein wenig auf Nachhaltigkeit und Herkunft.

Anonym
2. Dezember 2012 um 00:12

Gratuliere zu deinem Mut!

stimme 100%ig zu, was die 10%igen spendenbeiträge betrifft. dieses charity gequatsche kommt für mich immer scheinheilig / fragwürdig / unlogisch rüber.

besser wäre, die 1st-world-people (wir) würden nicht jeden billigen Mist kaufen, nur weil es so billig ist. irgendwer muss für den niedrigen Preis bezahlen und - richtig - es is nicht der CEO des Textilriesenkonzerns/Lebensmitteldiskonters/usw.... lieber Qualität kaufen, weniger Schrott, generell weniger Produkte vielleicht, es hat ja jede/r alles... und einen angemessenen Preis bezahlen (so bleibt auch noch was für den Sklaven übrig)

Man (auch ich!) muss sich einfach vor augen führen, welchen Weg dieses 9,95 Produkt hinter sich hat. und ob man nicht auch das doppelte dafür zahlen könnte/wollte. Und letztendlich ob man das wirklich braucht.

sorry... etwas off-topic.

Trotzdem schöne, konsumbewusste, besinnliche Adventzeit
Anna

Anonym
2. Dezember 2012 um 14:56

Endlich jemand der sich traut es auszusprechen!!! Applaus für diesen Artikel! Als Person des öffentlichen Lebens hat man doch Macht und Einfluss und damit auch Verantwortung. Gut, dass Du Dir dessen so bewusst bist. Schöne Vorweihnachtszeit!! Liebe Grüße aus Wien - Kathi

Ruth
2. Dezember 2012 um 18:15

ich finde insgesamt ein "nachhaltiges" leben führen und bewussten konsum besser als 1 x im jahr zu spenden. also eben nicht das primark-shirt für 5 euro z.b., naturkosmetik statt kk, auf auto verzichten und auf andere dinge, die man nicht braucht usw.
bei leuten, die nicht so leben wollen (ist eine frage des wollens nicht des könnens) finde ich es aber schon besser, wenn sie dann wenigstens ab und an mit ihrem geld und ihrem konsumwahn was gutes tun.

Anonym
3. Dezember 2012 um 19:31

Vielen Dank für diesen Beitrag! So etwas ist selten und doch so wichtig.
Sich die eigene Selbstverantwortung einzugestehen ist das eine, danach zu handeln eine ganz andere Sache.
<3

Anonym
3. Dezember 2012 um 20:09

Ich bin deiner Meinung Jettie. Die ungleiche Verteilung der Ressourcen ist kein Zufall sondern m. E. durch Interessensgemeinschaften mit System und Kenntnisse darüber aufrechterhalten, die sich an der ungleichen und ungerechten Verteilung bereichern. Ich unterstelle mal ganz polemisch, dass es einfach ist, Verantwortung abzugeben. So musst DU halt spenden, ne? :D Für mich misst sich Wohltätigkeit nicht in Geld sondern nach kritischem Bewusstsein. Alleine sich für oder GEGEN ein Hemd zu entscheiden ist eine politische Entscheidung, die alljährlich, bewusst und zugunsten einer besseren Verteilung getroffen werden kann. Klingt cheesy, ist es aber nicht!
Ich habe einiges konsequent eingehalten, alleine und nur, weil ich den Schmarotzern KEINEN CENT gönne.

Und diese Firmen schleichen sich mit versierter Labelung in den Köpfen der Käufer als immer-to-go-Firma je mehr Lebensbereiche deckend, desto wichtiger. War da nicht so eine makeup Kollektion von youtubern? Und plötzlich ist es kein Käufer sondern...ein youtuber!, und dass ist doch auch für uns ein Label, dass uns mehr wärmt, als dass des Käufers...hinter PR stecken Profis fürs Denken und Handeln.
Dass bei der Planung die Projekte nicht auf die Weltschöpfung, sondern auf den Erfolg ausgerichtet sind, ist bekannt. Mich interessiert, wie ich diesen Vorgang für mich bewusst mache.

Und was die pinke scheiße angeht, (besonders bei Binden und Tampons Mädchenkicherfarbe draufklatschen während ich BLUTE), das ist ganz großes Kino.
Geschlechtsspezifischer Identitätsersatz (biste mädchen? pink; WER kam auf die Idee, dass leidenschaftliches ROT zu stark für Frauen sei?) und Tarnfarbe für Kommerzmist. Und ich geh ein bischen weiter und behaupte: der Mensch geht arbeiten, wird wenig entlohnt und muss Geld ausgeben, damit sich sowohl Arbeit als auch Leben lohnt. Und Inbegriff dieser Stupedie, sagen wir capitalism in a nutshell ist die Frau: weniger bezahlt, weniger Aufstiegschancen, sozial sagen wir etwas ramponiert über die Jahrhunderte, aber dafür eine üppige Kauflandschaft zum verzeihen! Klingt komisch und find ich so! (nichts für ungut Jettie, aber ich werde deinen bitchmaskalender ganz wählerisch aauuuusschlachten :D)

4. Dezember 2012 um 17:24

"Wieso nicht die ganze Summe spenden, statt 10% des Produktes?" Genau das ist der Punkt, liebe Jettie. Ich teile so ziemlich deine Einstellung, auch wenn du drumrum geredet hast, hast du's auf den Punkt gebracht. Danke für den Artikel. Keule :D

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